Nachbericht: Die Welt verzaubern & einander Halt geben
ARNOLD METTNITZER gab eine Liebeserklärung an das Kindsein.
„Nie ist ein Mensch so da, wie wenn er ganz weg ist.“ Mit Zitaten wie diesem Ausspruch des Religionsphilosophen Jörg Splett würzte der bekannte Theologe, Psychotherapeut und Autor ARNOLD METTNITZER seinen berührend tiefsinnigen Vortragsabend über „Die Verzauberung der Welt. Eine Liebeserklärung an das Kindsein“ am 21. November. Im Großen Minoritensaal begeisterte er, auf Einladung des Bildungsforums bei den Minoriten und des Lesezentrums Steiermark als unterstützendem Kooperationspartner, mehr als 100 Gäste. Dabei schenkte ARNOLD METTNITZER erstmals Einblick in sein neues Buch, das im Juni 2026 erscheinen soll, und knüpfte damit an sein jüngstes Werk „Die Veredelung der Zeit. Eine Liebeserklärung ans Älterwerden“ (2024) sowie an seinen Vortragsabend vor genau einem Jahr an. Am Folgetag des 22. November ging er schließlich in seinem ausgebuchten Intensivseminar „Was uns Halt gibt“ im Arkadensaal des Minoritenzentrum in die Tiefe.
Das Leben sei zauberhaft, sagte Mettnitzer, „aber nur, wenn wir dem Kindsein bis ins hohe Alter eine Chance geben“. Das Älterwerden könne nur gelingen, wenn wir dem Kind in uns Raum geben, dieser Rilkeschen „unbefangenen Offenheit, die wir nur zu leben brauchen“. Deshalb sei es wichtig, „über das Kind in uns zu reden“: als das Geheimnis, das in uns ist, diesen „Schatz eines unermesslichen Potenzials an Möglichkeiten“ und „einzige Garantie zum Lebendigsein“ – wohlwissend der Albträume und Zumutungen, die auch mit der Kindheit verbunden sein können.
Dieser unerschöpfliche Schatz könne, so METTNITZER, in Augenblicken höchster Freude oder tiefsten Leides geborgen werden, wenn das Gesicht eines Menschen kindlich werde. Und tatsächlich sei es so, dass die wirklich schönen, gelungenen Momente des Lebens die seien, die uns einfach geschenkt sind, ohne dass wir wüssten, warum. Kindsein, das bedeute, offen und dankbar zu sein, wirklich und echt zu sein, staunen zu können: „In die Landschaft der freien Fantasie locken uns die Kinder.“ Folgen wir ihnen, würden sich Gedanken zu wirkenden Mächten entwickeln. Denn: Die Fantasie „ist die Mutter der Tugenden von morgen“, wie es die Theologin und Dichterin Dorothee Sölle schon auf den Punkt gebracht hatte.
Im Gespräch mit Kathrin Karloff, Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten, ging ARNOLD METTNITZER schließlich u.a. auf die, aus der Verzauberung der Kindheit resultierende, Kraft gebende Botschaft ein, die der Angst die Stirn bietet, wie es Hilde Domin zusammenfasst: „Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten.“ Hieran anknüpfend, luden Signierstunde und Agape noch lange zum Verweilen und zum offenen Austausch ein.
Am nächsten Tag schenkte schließlich der begeisternde Vortragende in seinem Intensivseminar konkrete, mit der kindlichen Erfahrung der Gedankenfreiheit verbundene, Perspektiven der Ermutigung, die Orientierung bieten und Halt geben. Das Motto dabei verdankten die 24 Teilnehmenden einem Aphorismus von Marie Ebner-Eschenbach: „Die Menschen, denen wir eine Stütze im Leben sind, geben uns Halt im Leben.“