Gesprächsabend „Fake News, Radikalisierung und digitale Medien“
Im Rahmen der von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung geförderten Seminarreihe „Soziale Teilhabe stärken und Radikalisierung eindämmen“ fand der Gesprächsabend „Fake News, Radikalisierung und digitale Medien – Wie Manipulation und Propaganda im Netz wirken und was wir dagegen tun können“ statt.
Digitale Medien prägen unseren Alltag und beeinflussen maßgeblich, wie Informationen aufgenommen, bewertet und weiterverbreitet werden. Gleichzeitig nehmen Falschmeldungen, Desinformation und gezielte Manipulationsversuche im Internet zu. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Veranstaltung der Frage, wie solche Inhalte verbreitet werden, warum sie häufig so erfolgreich sind und wie Mediennutzerinnen und Mediennutzer Informationen kritisch einordnen und hinterfragen können.
Am Podium begrüßt werden konnten der Propaganda- und Extremismusforscher Stefan Auer sowie der Friedensforscher Josef Mühlbauer.
Stefan Auer zeigte in seinem Vortrag auf, wie soziale Medien die Medienlandschaft grundlegend verändert haben und welche Auswirkungen dies auf Demokratie und Gesellschaft hat. Während klassische Medien zunehmend an Einfluss verlieren, sorgen soziale Netzwerke mithilfe von Algorithmen, Clickbait und emotionalisierenden Inhalten für maximale Aufmerksamkeit. Dies begünstigt die Entstehung von Filterblasen und Echokammern, die gesellschaftliche Polarisierung verstärken. Darüber hinaus erleichtern neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Bots und Deepfakes die Verbreitung von Desinformation und Propaganda. Da Menschen Informationen häufig durch die Brille eigener Überzeugungen und Vorurteile bewerten, reichen Faktenchecks allein oftmals nicht aus, um Falschinformationen entgegenzuwirken. Die Folgen reichen von gesellschaftlicher Spaltung bis hin zu Radikalisierung und dem Verlust einer gemeinsamen Faktenbasis, die für demokratische Diskurse unverzichtbar ist.
Josef Mühlbauer beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Rolle von Medien in Kriegen und dem Konzept der sogenannten „Cognitive Warfare“, also der gezielten Beeinflussung von Wahrnehmung, Denken und Meinungsbildung. Ausgehend vom Propagandamodell von Herman und Chomsky erläuterte er, wie Medien Informationen filtern und dadurch gesellschaftliche Zustimmung – das sogenannte „Manufacturing Consent“ – erzeugen können. Besonders in Kriegszeiten würden Konflikte sprachlich gerahmt und legitimiert, während die eigenen militärischen Handlungen positiv dargestellt und Gegner dämonisiert werden. Anhand von Beispielen wie der Brutkastenlüge im Golfkrieg oder den angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen verdeutlichte er die Bedeutung von Desinformation und die Problematik fragwürdiger Informationsquellen.
Darüber hinaus wurde die Macht von Begriffen und Narrativen bei der öffentlichen Wahrnehmung von Konflikten thematisiert. Moderne Kriegsführung beschränkt sich längst nicht mehr auf militärische Mittel, sondern umfasst auch Informationsoperationen, psychologische Einflussnahme und strategische Kommunikation. Mithilfe von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Verhaltensanalysen können öffentliche Meinungen gezielt beeinflusst werden. Das menschliche Gehirn wird dabei zunehmend selbst zum Schlachtfeld. Umso wichtiger sind Medienkompetenz und kritisches Denken als zentrale Schutzmechanismen gegen Manipulation und Radikalisierung.
Der Gesprächsabend machte deutlich, wie wichtig der bewusste und reflektierte Umgang mit digitalen Medien in einer zunehmend vernetzten Welt ist und welche Bedeutung Medienkompetenz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur hat.