Nachbericht: PHILIPP BLOM: Das „Trotzdem“ der Hoffnung als Kompass für eine menschenwürdige Zukunft
Sie wird auch als eine der drei göttlichen Tugenden verstanden: die Hoffnung. Sie stand am 04. November bei einem von mehr als hundert Teilnehmer:innen besuchten, inhaltlich tief gehenden Vortrags- und Gesprächsabend (Bildungsforum bei den Minoriten, KHG Graz und Katholische Aktion Steiermark) mit dem renommierten Historiker, Publizist, Autor und Ö1-Radiomoderator PHILIPP BLOM im Rampenlicht. Sein Buch „Hoffnung“ bildete den Ausgangspunkt der großen Frage, warum wir überhaupt hoffen sollten. Denn trotz der vielen Krisen, die unsere Welt heute prägen, trat Blom, wie schon in seinem Buch zuvor, vehement dafür ein, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich aktiv für eine menschenwürdige Zukunft einzusetzen.
Wie Kathrin Karloff (Leitung Bildungsforum bei den Minoriten) einleitend, mit historischer Bezugnahme zum 16. und 17. Jahrhundert, betonte, finden wir uns heute immer mehr in einer Zeit des tiefgreifenden Wandels vor, einer Zeit zahlreicher Chancen, aber auch stets neuer Herausforderungen. Passend dazu betonte Hochschulseelsorger Alois Kölbl, dass das Jahresthema „Auf Bruch“ der Katholischen Hochschulgemeinde Graz diese Ambiguität des Neuen thematisiere. Womit man auch schon mitten in einer von Bloms grundlegenden Überlegungen wäre, denn: „Man kann nur hoffen, wenn man glaubt, dass die Zukunft anders ist.“ Diesen Glauben hätten jedoch viele Menschen heute verloren. Einige, so Blom, seien zu ihm nach Vorträgen gekommen, um zu wissen, wie sie angesichts von Klimakrise, Krieg, Armut und des Bröckelns der Demokratie noch hoffen könnten. Diese Erfahrungen seien einer der Hauptgründe für seine Auseinandersetzung mit der Hoffnung gewesen, „weil ich Menschen eine Antwort schuldig geblieben bin, besonders jungen Menschen“.
Dabei machte sich der Autor nicht nur auf die Spur, wie Hoffnung früher verstanden wurde, sondern auch, was „Hoffen“ heute ausmacht. Gerade in Ländern wie der Ukraine, so Blom, werde heute am meisten gehofft: Denn nur, wo es die Perspektive einer besseren Zukunft gäbe, brauche es sie überhaupt. Ähnliches monierte Blom die Versuche zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Suffragetten-Bewegung zu verhindern, bei der zwei Generationen von Frauen einen zunächst scheinbar aussichtslosen Kampf für ihre Rechte auf sich genommen hatten und deren Opfer erst nach ihnen Früchte trug. Für Blom lag darin ein Schlüssel, die Hoffnung zu verstehen, denn gerade in scheinbar hoffnungslosen Situationen brauche es sie. Die Hoffnung sei zwar „kontrafaktisch, aber nicht blind“.
Im intensiven Gespräch mit Kathrin Karloff erteilte der Historiker und Journalist jeglichem naiven Zukunftsglauben eine deutliche Absage: „Wir werden die Klimaerwärmung wie andere Katastrophen nicht abwenden.“ Nichtsdestotrotz beschrieb er die Hoffnung „als mächtige Energie“, die uns antinihilistisch antreibt, „jeden Morgen aufzustehen und sinnvolle Sinne zu tun.“ Und: Das „aktive Hoffen“ im Sinne des persönlichen Einsatzes und der Selbstwirksamkeit, die nicht an Maschinen delegiert werden könne, sei, um ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, wichtiger denn je! Dabei dürfe man sich auch „von sich selbst überraschen lassen und scheitern“. Als hilfreichen Kompass – passend zum gerade von Papst Leo XIV. veröffentlichten Apostolischen Schreiben „Disegnare nuove mappe di speranza“ (dt. „Neue Landkarten der Hoffnung zeichnen) – gab Blom das notwendige, stete Anfangen, verstanden als „Trotzdem der Hoffnung“, auf den Weg mit, der helfe, den eigenen Handlungsspielraum zu öffnen und zu erweitern.
(Der Abend wurde aus Mitteln der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung gefördert.)