Über die Übung, in Gottes Gegenwart zu sein
Papst Leo XIV. & der „Küchenbruder“ Lorenz
Ein einfacher Karmelit des 17. Jahrhunderts inspiriert nicht nur Papst Franziskus, sondern begeisterte auch zahlreiche Gäste am 7. Mai, während der Auftaktveranstaltung des neuen, einjährigen Spiritualitätsschwerpunkts im Bildungsforum bei den Minoriten: Weihbischof Johannes Freitag sprach über „Küchenbruder“ Lorenz und faszinierte mit einigen Übungen, wie sie auch Papst Leo praktiziert. „Papst Leo ist nicht von großen Theologen geprägt, sondern von einem einfachen Ordensbruder, der Koch und Schuster war”, brachte es Weihbischof Johannes auf den Punkt.
Gott ist immer dabei
In ihrer Begrüßung erklärte Kathrin Karloff, Leiterin des Bildungsforums bei den Minoriten, dass laut Vatican News Papst Leo am Ende der traditionellen Audienz für die römische Kurie zu Weihnachten das neue Buch „La practica della presenza di Dio“ („Die Praxis der Gegenwart Gottes“) von Bruder Lorenz von der Auferstehung (hrsg. von Maria Rosaria Del Geni) den römischen Kurienmitarbeitern schenkte. „Wir waren natürlich neugierig, was sich hinter diesem Werk verbirgt, das die Spiritualität von Papst Leo so stark geprägt hat, dass er es zur Lektüre empfiehlt“, so Karloff.
Gott wirkt in allem
In seinem gehaltvollen Vortrag ging Weihbischof Johannes Freitag schließlich detailliert auf die Gründe der päpstlichen Faszination für Bruder Lorenz von der Auferstehung ein, der sich extrem von den großen Theologen unterscheidet. Kaum Schriftliches sei von ihm erhalten, sein Ordensleben sei geprägt gewesen vom einfachen Dienst in der Küche und später als Schuster. „Sein Motto war, dass Gott stets da ist“, so Weihbischof Johannes, und in der Gegenwart Gottes bekomme selbst das Einfachste im Leben eine besondere Qualität. „Ich wende die Omelette aus Liebe zu meinen Mitbrüdern und repariere Schuhe mit Dankbarkeit für das Leder und das Leben des Tieres“, ist von Lorenz überliefert – und das, obwohl er von seiner Arbeit nicht sonderlich begeistert war. Nichtsdestotrotz unterscheidet Bruder Lorenz die Arbeitszeit nicht von der Gebetszeit; ein revolutionärer Gedanke. „Für den ‚Küchenbruder‘ werden Arbeit und Alltag zum Gebet, weil alles zusammengehört, weil Gott immer und überall präsent ist.“
„Jede und jeder kann Gott im Alltag finden“, ist Weihbischof Johannes Freitag in Anlehnung an Bruder Lorenz überzeugt. Das Vertrauen, dass Gott immer da sei, führe zur wahren inneren Freiheit, die so weit gehe, dass man das Sterben als Teil des Lebens akzeptiere, wissend, dass da noch etwas komme. Bis dorthin gilt: „Jeder Atemzug ist ein Geschenk Gottes, das man sich nicht kaufen kann.“
Gemeinsam alles mit Gott angehen
In den von Weihbischof Johannes angeleiteten meditativen Übungen wurde schließlich die Maxime des Bruder Lorenz, dass sich Gott über die Beziehung im Innern, nicht über das Denken, erschließt, für die über 30 begeisterten Teilnehmer:innen erfahrbar: zum Beispiel mithilfe des Gedankens, dass Gott durch mein Tun, Reden und Arbeiten Hand und Fuß bekommt. „Probieren wir immer einmal wieder, Gott zu bitten, alles gemeinsam anzugehen”, so Weihbischof Johannes. Im anschließenden Podiumsgespräch mit Kathrin Karloff und den Gästen unterstrich er zudem den revolutionären Charakter der Lehre des „Küchenbruders“ als „Diagnose seiner und unserer Zeit“ sowie ihre Bedeutung hinsichtlich des notwendigen Vertrauens und der Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die nicht zu ändern sind. Wichtig sei, darauf zu vertrauen, dass alle Menschen sich bemühen, und sich selbst nicht in Dingen zu ergehen, die man nicht in der Hand habe. Denn letztendlich füge Gott alles so, dass es passe. „Und er schenkt uns morgen einen neuen Tag, zeigt uns wieder Schönes und lässt uns Gutes erfahren”, so Bischof Johannes. „Man muss es nur erkennen wollen.“